Einleitung

Die jetzige Version des TRASIQ-Tools zur ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung des Ludwigshöhviertels in Darmstadt entstand im Rahmen des BMBF geförderten Forschungsprojekts “Transformative Strategien einer integrierten Quartiersentwicklung” (TRASIQ). Hauptziel bei der Erstellung des Bewertungs-Tools war es, ein leicht bedienbares Instrument zu entwickeln, das sowohl kommunaler Verwaltung (hier konkret Darmstadt) als auch interessierten Bürger*innen, Investoren und Entscheidungsträgern als zusätzliche Informationsquelle dienen kann, um relevante Dimensionen, Zusammenhänge und mögliche Zielkonflikte nachhaltiger Quartiersentwicklung kennen zu lernen. Verschiedene Entwicklungsoptionen sollen mit diesem Tool vergleichbar werden.

Im Bereich Einstellungen auf der linken Seite können verschiedene Schieberegler bedient werden. Diese gliedern sich nach Entscheidungszeitpunkten der Quartiersentwicklung/-entstehung: zunächst gibt es Optionen für die Bauphase – aufgeteilt nach Tiefbau (Straßen, Netze, Boden) und Hochbau (Gebäude und soziale Infrastrukturen) – und die Nutzungsphase (Bewohner). Darüber hinaus ist es für zeitabhängige Parameter möglich, das gewünschte Zieljahr anzupassen. Dies bezieht sich ausschließlich auf die Nutzungsphase.

Der Ergebnisbereich in der Mitte ist unterteilt in die Reiter der TRASIQ Zieldimensionen CO₂-armes Wohnen, ressourcenschonendes Wohnen, flächensparendes Wohnen, nachhaltige Baustoffe, nachhaltige Mobilität, bezahlbares Wohnen sowie urbane Lebensqualität. Durch Klicken auf die verschiedenen Icons gelangt man in die Ergebnisübersichten je Zieldimension.

Ganz rechts befinden sich drei weitere Reiter: Auf einen Blick mit einer Übersicht der gewählten Einstellungen, ausgewählter Grafiken und Tabellen samt Link zum Abspeichern und Drucken, Informationen zum Tool mit Quellenangaben, sowie ein Impressum. Für weitere Erläuterungen zum Tool und seinen Einstell-Möglichkeiten siehe auch TRASIQ_Tool_Manual.pdf.

Vorgaben Bebauungsplan Ludwigshöh-Quartier

  • Anzahl Wohneinheiten: 1.400
  • durchschnittlich 2,25 Einwohner pro Wohneinheit
  • durchschnittlich ca. 100 m² Bruttogrundfläche je Wohneinheit

Ergebnisse nach Zieldimensionen

Die Zieldimension CO₂-armes Wohnen wird bei den allermeisten Aspekten der Bau- und Nutzungsphase eines Wohnquartiers adressiert. Die Bauphase bezieht sich dabei auf die Erschließung und den Bau des Quartiers bis es vollständig bezugsbereit ist. Die Nutzungsphase bezieht sich auf die Phase, in der das Quartier bezogen ist und bewohnt/genutzt wird. In der Bauphase werden die CO₂-Emissionen bei der Herstellung der verschiedenen (Bau-) Produkte des Tief- und Hochbaus erfasst (z.B. Gebäudestandard oder Wärmeversorgungstechnologie , vgl. auch Zieldimension Ressourcenschonendes Wohnen). Aus der Nutzungsphase werden verschiedene Mobilitätstypen der Bewohner , der Energieverbrauch in den Gebäuden in Abhängigkeit vom energetischen Gebäudestandard und der Stromeffizienz der Haushalte aufgenommen.

In der Ergebnisdarstellung sind zum einen die Gesamtemissionen des Quartiers nach Unterkategorien dargestellt und zum anderen die Emissionen je Einwohner, ebenfalls nach Unterkategorien und mit deutschlandweiten Vergleichzahlen.

Wichtiger Hinweis: Die Abbildung der pro-Kopf Emissionen für die Mobilität enthält im UBA CO2-Rechner sowohl Alltags- als auch Freizeitwege (allerdings ohne Flüge), der Mobilitätswert für das Quartier enthält hingegen nur die Alltagswege!

Die Zieldimension Ressourcenschonendes Wohnen behandelt drei Themenbereiche beim Bau und Betrieb eines Wohnquartiers. Diese sind auf unterschiedliche Weise im Tool implementiert und können durch die Nutzenden variiert werden.

  1. Die Art der verwendeten Baustoffe für Bauaktivitäten des Tief- und Hochbaus werden mit Blick auf die Treibhausgasbilanz berücksichtigt
    • Tiefbau: die Nutzung von Recyclingmaterialien bei der Errichtung von Straßen und Wegen kann über die Einstellmöglichkeiten im Bereich Straßen, Netze, Boden spezifiziert werden
    • Hochbau: Die Nutzung von Holz als Baustoff lässt sich über die Einstellmöglichkeit im Bereich Gebäude spezifizieren
  2. Die Herkunft der verwendeten Baustoffe wird mit Blick auf die regionale Verfügbarkeit diskutiert in einem Factsheet Ressourcenverfügbarkeit
  3. Der Ressourcenverbrauch im laufenden Betrieb des Quartiers (Abfall) kann über die Einstellmöglichkeiten im Bereich Bewohner spezifiziert werden .

Die in Deutschland vorhandene Fläche – und damit auch der vorhandene Boden – ist weder teilbar noch erneuerbar und stellt damit eine endliche Ressource dar. Das übergeordnete Ziel der Bundesregierung eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen betrifft auch die Art und Veränderung der Flächennutzung in Deutschland. Mit dem Ziel, die Zersiedelung und damit den Verlust an Boden und seiner natürlichen Bodenfunktionen (z.B. Rückhalt von Niederschlagswasser, Bodenfruchtbarkeit, Grundwasserneubildung) einzudämmen, benennt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie die Reduktion der täglichen Flächeninanspruchnahme auf weniger als 30 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030. Das Maß der täglichen Flächeninanspruchnahme beschreibt die Umwandlung von Flächennutzungen insb. durch Land- und Forstwirtschaft in Siedlungs- und Verkehrsfläche und wird umgangssprachlich als „Flächenverbauch“ bezeichnet. Eine Umnutzung von vormals Industrie-, Verkehrs- und Infrastrukturflächen oder von ehemals militärisch genutzten Flächen zählt nicht zur Flächeninanspruchnahme, da die Vornutzung bereits in die Statistik als Flächennutzungsart „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ eingerechnet ist und quasi bereits „verbraucht“ ist.

Für die Nachhaltigkeitsbewertung einer Konversionsflächenentwicklung wie im Fall von Cambrai-Fritsch, bietet es sich daher an, den Grad der Flächenversiegelung im Ursprungszustand mit der geplanten zukünftigen Nutzung zu vergleichen. Für die Versickerung von Niederschlagswasser relevant sind Flächen mit einer gebunden Deckschicht wie asphaltierte Straßenbereiche oder die Grundflächen von Gebäuden. Niederschlagswasser kann hier nicht versickern und läuft an der Oberfläche ab. Gepflasterte Flächen ermögliche dagegen grundsätzlich eine Versickerung von Niederschlagswasser. Neben der Anzahl zukünftiger Gebäude hat die Anzahl an Stellplätzen und ihre jeweilige bauliche Ausgestaltung einen Einfluss auf den Versiegelungsgrad im Quartier.

Von der Anwendung lösemittelfreier Lacke bis zum Verzicht auf Tropenholz: es gibt viele Möglichkeiten, durch die gezielte Auswahl von Bauprodukten die eigene Gesundheit zu fördern, aber auch die Nachhaltigkeit. Regional und global. Die Zieldimension „Nachhaltige Baustoffe“ hat zuerst in der Bauphase ein hohes Gewicht. Hier müssen eine Vielzahl von Entscheidungen für eine große Zahl von Materialien getroffen werden. Unser Tool unterstützt eine bewußte Entscheidung für nachhaltigere Produkte durch Informationen zu drei Bereichen:

1. Prüfung auf verbotene Stoffe in Produkten

Einige sehr problematische Chemikalien sind schon seit langem in Europa verboten. Asbesthaltige Mineralfasern oder polychlorierte Biphenyle (PCB, als Dichtungsmassen) sind zwei Beispiele. Dennoch werden diese und andere verbotene Stoffe immer noch in Bauprodukten eingesetzt, die ausserhalb von Europa hergestellt und dann verbotenerweise importiert werden. Hier müssen Sie durch strenge Vorgaben bei der Materialprüfung sicher stellen, dass Sie diese Problemstoffe nicht später in Ihrem Bauwerk wiederfinden.

2. Der Verzicht auf Problem-Materialien

Auch heute noch werden in hohem Umfang beim Bau problematische Rohstoffe eingesetzt. Mittel- und langfristig lohnt es sich für Sie und die Umwelt, auf Materialien wie PVC und Tropenholz zu verzichten. Auch bei Aluminium gibt es viele Möglichkeiten zum Ersatz. Wenn Sie beim Bau Natursteine verwenden, sollten Sie darauf achten, dass für diese Materialien keine Kinder arbeiten mussten.

3. Der Einsatz von Produkten, die wenig oder keine Schadstoffe freisetzen

Lacke und Farben, Schäume und Klebstoffe: inzwischen gibt es viele Bauprodukten, die sehr gut funktionieren und die Luft in Ihren Räumen nicht belasten. Wenn Sie sich für schadstoff- bzw. emissionsarme Produkte entscheiden. Achten Sie z.B. darauf, dass Ihre Holzwerkstoffe kein Formaldehyd freisetzen und dass Ihre Anstriche, Lacke und Klebstoffe lösemittelfrei sind. Im Holz- und Fassadenbau sollten giftige Biozide nicht vorbeugend eingesetzt werden.

Die Zieldimension Nachhaltige Mobilität wird sowohl in der Bauphase als auch der Nutzungsphase eines Wohnquartiers berücksichtigt. Diese sind auf unterschiedliche Weise auf der Plattform implementiert und können von Ihnen variiert werden.

  1. Unter Straßen, Netze, Boden lässt sich der Stellplatzschlüssel variabel einstellen. Der Stellplatzschlüssel gibt Anhaltspunkte darüber, wieviel der verfügbaren Freifläche in einem Quartier für Pkw-Stellplätze benötigt wird. Ein niedriger Stellplatzschlüssel geht folglich mit einer höheren Aufenthaltsqualität im Quartier (z.B. durch mehr Grünflächen) einher. Das Modell gibt Informationen über die folgenden baulichen Aspekte:
    • Die Anzahl notweniger Stellplätze im Quartier
    • Weitere Informationen zum Stellplatzschlüssel in Form eines Factsheets
  2. Ebenfalls unter Straßen, Netze, Boden können Sie die Art der Parkierungsanlage auswählen. Auch hier nimmt die Ausgestaltung maßgeblich Einfluss auf die Aufenthaltsqualität im Quartier. Ergänzende Informationen sind einem Infoblock zu den Parkierungsanlagen zu entnehmen.
  3. Unter der Rubrik Bewohner kann zwischen 4 Mobilitätstypen ausgewählt werden. Diese unterscheiden sich insbesondere in ihrem Modal Split, also der jeweils präferierten Verkehrsmittelnutzung.
    • Es zeigt sich dabei eine enge Verzahnung mit der notwendigen Stellplatzfläche. Je höher die Bedeutung des eigenen Auto, desto höher wird der Pkw-Besitz und damit auch die benötigte Stellplatzfläche im Quartier angenommen.
    • Das Modell gibt dabei Informationen zum Modal Split des jeweiligen Mobilitätstyps
    • Daneben lassen sich aus dem spezifischen Mobilitätsverhalten der Mobilitätstypen (Modal Split und Fahrleistung) deren mobilitätsspezifischen CO2-Emissionen ableiten.
  4. In der Dimension Nachhaltige Mobilität finden Sie zudem ergänzende Informationen und Anregungen, wie die Verkehrswende an der eigenen Haustüre durch alternative Mobilitätskonzepte gelingen kann.

Die Zieldimension Bezahlbares Wohnen ist bei nahezu allen Aspekten der Bau- und Nutzungsphase eines Wohnquartiers von Bedeutung. Die Bauphase bezieht sich dabei auf die Erschließung und den Bau des Quartiers bis es vollständig bezugsbereit ist. Die Nutzungsphase bezieht sich auf die Phase, in der das Quartier bezogen ist und bewohnt/genutzt wird. So werden aus der Bauphase die Kosten der verschiedenen (Bau-) Produkte des Tief- und Hochbaus erfasst. Im Tool sind dabei sowohl mittels Auswahlmöglichkeit veränderbare Einstellungen möglich (nachfolgend fett gedruckt), als auch unveränderbare, feste Werte implementiert, die vor allem bei der Quartierserschließung anfallen:

  • Erschließung des Quartiers: Wasserversorgung, Kanalisation, Stromverteilnetz, Straßen, Parkierungsanlagen
  • Hochbau: Energetischer Gebäudestandard (inkl. Wärmeversorgungstechnologien und Anteil der Dachfläche für Photovoltaik )

Aus der Nutzungsphase werden unterschiedliche Stromeffizienzen der Haushalte , Abfallaufkommen sowie Mobilitätstypen der Bewohner aufgenommen und dargestellt. Darüber hinaus hat auch der Energieverbrauch in den Gebäuden in Abhängigkeit vom energetischen Gebäudestandard Auswirkungen auf die Nutzungsphase.

Wichtiger Hinweis: alle Kostenangaben sind als grobe Richtwerte zu verstehen! Z.B. ersetzt das Tool in diesem Zusammenhang kein detailliertes Energiekonzept, sondern verwendet Standard-Literaturwerte, die z.T. von den tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten abweichen können!

Urbane Lebensqualität beinhaltet städtische Vielfalt, Dichte, Mischung und die Zugänglichkeit öffentlicher Räume und unterschiedlicher Angebote für verschiedene Gruppen und Lebenslagen. Ein wichtiger Bestandteil urbaner Lebensqualität sind die sozialen Kontakte zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern, die Möglichkeit zur Begegnung und die Chance, selber aktiv zu werden und gemeinsam den Stadtteil zu gestalten1.

Die Einstellmöglichkeiten umfassen Versorgungsangebote , Kultur- und Freizeitangebote sowie Öffentlicher Raum .

In den „Factsheets“ wird genauer erläutert, was „Urbane Lebensqualität“ im Einzelnen bedeutet, wie sie stadtplanerisch beeinflusst werden kann und wie sich die drei Einstellmöglichkeiten darauf auswirken.

Unter „Zusammenhang mit anderen Zieldimensionen“ sehen Sie die Auswirkungen weiterer Planungsentscheidungen.

1 Der Begriff „Urbane Lebensqualität“ wird in der Literatur teilweise sehr umfassend gebraucht. So verknüpft er objektive Merkmale des urbanen Raums mit deren subjektiver Bewertung im Sinne von Lebenszufriedenheit oder Wohlergehen. Konkrete Bewertungsmodelle auf Quartiersebene wie beispielsweise das Forschungsprojekt Gesellschaftlicher Wandel und Quartiersentwicklung, die Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen oder BREEAM Communities beschränken sich auf objektive Merkmale, decken aber immer noch eine Vielfalt von ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen ab. In dem vorliegenden Tool sind einige dieser Dimensionen nicht abbildbar und andere bereits durch andere Zieldimensionen abgedeckt. Daher wird die Zieldimension „Urbane Lebensqualität“ hier enger verstanden.

Modell-Grenzen

Modell-Graph

Quellen

DatenQuelle

Informationen zum Modell

Letzte Änderung: 2021-08-03 10:18:30.976446
Version: 0.9.7 (5e1bf0504665d6ae558497261987921aebb6f39e)

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